re:publica 2026:
Fünf – sehr subjektive – Eindrücke

Die re:publica 2026 unter dem Motto „never gonna give you up“ war wieder ein eindrückliches Begegnungsforum digitaler Gegenwart: bunt, politisch, jung, links, machtsensibel, demokratieengagiert – im Blick auf Digitalität zugleich neugierig und hoch kritisch. Wer verstehen will, welche Themen eine digitale Zivilgesellschaft gerade bewegen, bekam davon in Berlin einen guten Eindruck.

Im Zentrum standen Künstliche Intelligenz, die Macht von Big Tech, digitale Souveränität, Open Source, demokratische Resilienz und die Frage, wie öffentliche Institutionen, Bildung und Zivilgesellschaft im digitalen Zeitalter und angesichts autoritärer Bedrohungen handlungsfähig bleiben. Es ging um große Modelle und kleine Anwendungen, um Cloud-Infrastrukturen und Plattformmacht, um rechte Strategien im Netz, um Nachhaltigkeit, Schule und politische Bildung.

Kirche spielte dabei eher am Rand eine Rolle. Das ist schade, denn viele der verhandelten Fragen berühren Themen, zu denen Kirche und Theologie durchaus etwas zu sagen hätten.

Die folgenden Eindrücke sind keine „Ergebnisse“ der re:publica. Dafür war das Programm zu groß und zu vielstimmig. Es sind fünf herausgegriffene subjektive Beobachtungen. Meine persönlichen Schneisen durch ein sehr breites Feld.

1. Digitalität ist eine Wirklichkeit — aber keine geschlossene Welt

Mich hat die re:publica noch einmal über das Verhältnis von Digitalität und „Wirklichkeit“ nachdenken lassen. Nicht in der alten – aber in der Kirche leider oft noch wirksamen – Gegenüberstellung: hier das echte Leben, dort das Digitale. Hier das „Wirkliche“ – dort der nette Spielplatz. Diese Unterscheidung trägt längst nicht mehr.

In digitalen Räumen wird nicht nur über Wirklichkeit gesprochen. Dort wird Wirklichkeit erzeugt, geordnet, geteilt, bewertet, gestaltet — und manchmal auch beschädigt. Menschen handeln im digitalen Raum. Sie knüpfen Beziehungen, suchen Anerkennung, geraten unter Druck, finden Gemeinschaft, streiten politisch, trauern.

Aber diese digitale Wirklichkeit steht nicht für sich. Sie ist mit der „kohlenstofflichen“ Welt verschränkt. KI braucht Energie, Wasser, Rechenzentren und Lieferketten. Plattformen brauchen Aufmerksamkeit, Daten und Arbeit. Digitale Kommunikation greift in leibliche Beziehungen ein. Digitale Machtstrukturen prägen das Leben von Menschen auch außerhalb des digitalen Raums mit.

Das wurde mir besonders in einer Veranstaltung zum Tod in der Netzfamilie deutlich. Ausgehend vom Erinnern an verstorbene Menschen der „Netzfamilie“ entstand ein intensives – kohlenstoffliches – Gespräch darüber, was Menschen brauchen, wenn ein Leben endet: Nähe, Rituale, Deutung, Loslassen, geteilte Erinnerung.

Vielleicht ist genau das die Pointe: Digitalität löst existenzielle Fragen nicht auf oder gar ab. Sie bringt sie in neue Formen. Aber sie bleibt den Bedingungen von Körper, Ort und Endlichkeit verbunden.

Für mich bleibt:
Auch als Kirche sollten wir endlich ernst nehmen, dass digitale Welten nicht ein zusätzliches Add-on neben „der wirklichen Welt“ sind. Und umgekehrt bleibt Digitalität auf kohlenstoffliche Endlichkeit – und deren Fragen – zurückverwiesen.

2. Mehr Fahrräder, weniger Raketen

Ein starker Impuls kam aus der Opening Keynote von Karen Hao. Sie kritisierte den Macht- und Größenrausch des Silicon Valley: immer größere Modelle, immer mehr Daten, immer mehr Rechenleistung, immer mehr Energieverbrauch — und damit auch immer mehr Machtkonzentration.

Ihr Gegenbild war schlicht und einleuchtend: Wir nutzen unterschiedliche Verkehrsmittel für unterschiedliche Wege. Fahrrad, Bus, Auto, Flugzeug, Rakete. Niemand fliegt mit der Rakete zum Bäcker. Warum also tun wir bei KI so, als müsse jede Aufgabe mit dem größtmöglichen Modell gelöst werden?

Das ist keine Technikfeindlichkeit. Im Gegenteil. Es ist die Frage nach angemessener Technik. Nicht immer größer skalieren, sondern genauer hinschauen: Welche Modelle, welche Anwendungen, welche Formen der Nutzung passen zu welcher Aufgabe?

Für Kirche, Bildung und Verwaltung ist das erstaunlich konkret. Nicht: Wie bringen wir überall KI hinein? Sondern: Wo hilft welche KI wirklich? Wo reichen kleinere Anwendungen? Wo braucht es robuste, nachvollziehbare Werkzeuge? Und wo wäre weniger Automatisierung die klügere Entscheidung?

Für mich bleibt: Fortschritt heißt bei KI nicht automatisch Skalierung. Manchmal heißt Fortschritt: das passende Werkzeug wählen.

3. Technik braucht Friktion

Ein Gedanke aus dem Vortrag „Deep Learning versus Non-Deep Thinking“ blieb bei mir hängen: Gute Techniknutzung braucht Friktion, also Reibung oder gar Unterbrechung.

Das klingt zunächst seltsam, weil digitale Werkzeuge meistens das Gegenteil versprechen: weniger Reibung, weniger Aufwand, weniger Wartezeit. KI steigert dieses Versprechen noch einmal. Sie antwortet schnell, glatt und plausibel. Genau darin liegt ihr Nutzen — und ihr Risiko.

Denn Denken ist nicht immer glatt. Verstehen braucht manchmal Unterbrechung. Urteilskraft entsteht durch Rückfragen, Zweifel, Perspektivwechsel, Verzögerung. Wer jede Friktion aus Prozessen entfernt, entfernt womöglich auch die Momente, in denen Menschen merken: Hier muss ich noch einmal genauer hinsehen.

Man kann das mit der Unterscheidung von schnellem und langsamem Denken verbinden. KI tritt wie ein drittes System hinzu: Sie kann helfen, ordnen, verdichten. Faktisch wird sie aber oft wie ein Ersatz für langsames Denken genutzt — um kognitive Energie zu sparen. Dann wird aus Unterstützung eine Abkürzung.

Deshalb braucht es so etwas wie mindful friction: bewusst gesetzte Unterbrechungen. Wo muss ein Mensch noch einmal prüfen? Wo braucht es eine zweite Perspektive? Wo sollte ein System nicht sofort glätten, sondern zum Nachdenken zwingen?

Gerade für Bildung, Kirche und Leitung ist das entscheidend. KI kann entlasten. Aber sie darf nicht gerade die Denkbewegungen ersetzen, die für Urteilskraft nötig sind.

Für mich bleibt: Nicht jede Friktion ist ein Fehler. Manchmal ist sie die Bedingung dafür, dass Denken nicht durch Plausibilität ersetzt wird.

4. Souveränität beginnt bei der Infrastruktur

Viele Debatten über Open Source, eigene Clouds, öffentliche digitale Dienste und unabhängige Plattformen klingen zunächst technisch. Server, Codes, Clouds, Container, Open Source — das kann schnell nach Spezialistenmilieu klingen.

Im Kern aber geht es um eine Machtfrage: Wem gehören die Systeme, auf denen Öffentlichkeit, Verwaltung, Bildung und Kommunikation laufen?

Wer vollständig von wenigen Tech-Konzernen abhängig ist, kann digital arbeiten. Aber kann er auch souverän handeln? Daten, Schnittstellen, Plattformlogiken, Geschäftsmodelle und Verfügbarkeiten sind keine neutralen Hintergründe. Sie prägen, was möglich ist, was sichtbar wird, was gespeichert wird und was sich institutionell überhaupt gestalten lässt.

Darum ist digitale Souveränität kein Thema nur für IT-Abteilungen. Sie betrifft Staaten, Verwaltungen, Hochschulen, Schulen, Zivilgesellschaft — und auch Kirche. Eine Kirche, die von Freiheit, Verantwortung und Gemeinwohl spricht, kann ihre eigenen digitalen Abhängigkeiten nicht einfach als technische Nebensache behandeln.

Manchmal beginnt Souveränität sehr konkret: bei der Frage, wo Daten liegen, wer Systeme betreibt, welche Software genutzt wird und ob Institutionen noch verstehen, worauf sie sich verlassen.

Für mich bleibt: Wer Öffentlichkeit, Bildung und Institutionen stärken will, muss über Infrastruktur reden. Nicht als Nerd-Thema, sondern als Machtfrage.

5. Die großen Fragen sind da — Kirche ist nicht automatisch gefragt

Kirche spielte auf der re:publica eher eine Nebenrolle. Und wo sie vorkam, wurde sie nicht ehrfürchtig betrachtet, sondern kritisch befragt: Amtskirche, Macht, patriarchale Strukturen, Glaubwürdigkeit. Das ist unbequem. Aber man sollte es ernst nehmen.

Gleichzeitig waren viele Themen, die auf der re:publica verhandelt wurden, theologisch hoch anschlussfähig: Was ist der Mensch unter digitalen Bedingungen? Wie bleiben wir urteilsfähig? Wie handeln wir verantwortungsvoll? Wie gehen wir mit Trauer und Endlichkeit um? Wie schützen wir Demokratie? Wem gehören unsere Kommunikationsräume? Wie gestalten wir Technik, ohne uns von ihr gestalten zu lassen?

Auch die religiösen Panels zeigten das. Christliche Influencerinnen und Influencer, islamische Influencer, Fragen nach Orientierung, Identität, Körper, Sexualität, Zugehörigkeit und Glaubwürdigkeit: Religion verschwindet nicht aus digitalen Räumen. Aber sie erscheint dort anders — personalisierter, unmittelbarer, szenischer, manchmal befreiend, manchmal gefährlich vereinfachend.

Die Fragen, für die Kirche eigentlich einen Beitrag leisten könnte, sind also da. Aber sie werden nicht selbstverständlich an Kirche adressiert.

Zugleich wurde auf der re:publica viel über Zivilgesellschaft und zivilgesellschaftliches Engagement diskutiert. Dass Kirche eine der größten zivilgesellschaftlichen Akteurinnen ist und vielleicht eine interessante Partnerin sein könnte, war faktisch ausgeblendet.

Vielleicht ist das die nüchternste Beobachtung: Relevanz entsteht nicht dadurch, dass Kirche sich relevant findet. Sie entsteht dort, wo Kirche an den Fragen mitarbeitet, die Menschen tatsächlich bewegen — und dies in modernen Formen, die für viele anschlussfähig sind.

Für mich bleibt: Kirche muss nicht laut behaupten, dass sie dazugehört. Sie muss zeigen, dass sie etwas zu den Fragen beitragen kann, die längst im Raum stehen.

Dieser Text ist unter Nutzung einer KI entstanden. Die tragenden Gedanken, Überzeugungen und theologischen Setzungen verantwortet der menschliche Autor; die KI war Werkzeug und Resonanzraum.

re:publica 2026

Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert